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INTERVIEWS

28/05/2003
Caroline Walker (UK): “Fachliteratur über Bier und Gesundheit immer kritisch betrachten.”

Während des 29. Internationalen Symposiums der European Brewery Convention in Dublin (17. – 22. Mai 2003) hat Caroline Walker (Doktor der Biochemie, VK) die medizinische Literatur bezüglich der Auswirkungen von mässigem Alkoholkonsum auf die Gesundheit durchleuchtet.

Was ist, Ihrer Meinung nach, die Auswirkung von mässigem Alkoholkonsum auf die Gesundheit?
Caroline Walker: “Die Auswirkung eines mässigen Bier- und Weinkonsums auf die Gesundheit wird oft überschätzt. Unsere Gesundheit wird viel mehr durch Lebensgewohnheiten und Lebensstil beeinflusst, als durch mehr oder weniger mässigen Alkoholkonsum. Es ist auch besonders schwierig, die Auswirkungen von Bier und Wein miteinander zu vergleichen. Studien belegen, dass Weintrinker oft andere Lebensgewohnheiten haben als Biertrinker. Letztere haben in der Regel einen niedrigeren sozialen und wirtschaflichen Status, rauchen öfter, kämpfen häufig mit Übergewicht, treiben weniger oft Sport und haben weniger gesunde Essensgewohnheiten als Weintrinker. Mehr noch, einige Forscher kommen sogar zur Schlussfolgerung, dass Biertrinker extravertierter sind als Weintrinker, verbal aggressiver auftreten und mehr lügen ... Derartige Unterschiede dem Bierkonsum bzw. Alkoholkonsum zuschreiben, ist natürlich gänzlich fehl am Platz und zeigt, dass wir mit der Auswertung medizinischer Studien sehr vorsichtig vorgehen müssen.”

Medizinische Studien sind also nicht immer glaubwürdig?
Caroline Walker: “Absolut nicht. Einige Studien grenzen ans Absurde. Eine Forschungsgruppe hat zum Beispiel nachgewiesen, dass man Mücken anzieht, wenn man Bier trinkt. Sie kamen zu der merkwürdigen Feststellung, nachdem sie eine experimentelle Aufstellung gemacht hatten, bei der bei Trinkern und Nicht-Trinkern die Mückenstiche gezählt wurden. Und eine Erklärung hatten sie sich auch noch ausgedacht: Der Konsum von Bier steigert die Transpiration und das würde die Mücken anziehen. Das klingt plausibel, aber bleibt dennoch sehr unglaubwürdig. Eine einzige Studie würde überhaupt nicht ausreichen, um einen solchen Zusammenhang zu belegen. Eine andere, noch absurdere Studie belegt, dass Bierkonsum vor kosmischer Strahlung schützt. Die ganze Studie enthielt nicht mal eine ordentliche Definition des Begriffs „kosmische Strahlung“. Dennoch gelangen auch solche Studien neben vielen anderen seriösen Studien in die Fachpresse. Aus diesen Tatsachen kann man nur schlussfolgern, dass „nicht alles Wahrheit ist, was veröffentlicht wird!”

Aber die Auswirkung von Bierkonsum auf Diabetes und Herz- und Gefässkrankheiten ist doch belegt?
Caroline Walker: “Das stimmt in der Tat. Die positiven Auswirkungen mässigen Alkoholkonsums auf die Gefahr auf Diabetes und Herz- und Gefässkrankheiten sind sehr glaubhaft, weil sie bereits in einer Reihe von Untersuchungen belegt wurden. Je mehr Studien in die gleiche Richtung weisen, desto stärker der Zusammenhang. Die unterschiedliche Auswirkung von Bier- und Weinkonsum auf diese Krankheiten wiederum ist weniger deutlich, weil eine Vielzahl anderer lebensstilbedingter Faktoren hier eine Rolle spielen, was dann wieder zu kontradiktorischen Ergebnissen führt. Im Grossen und Ganzen können wir heutzutage behaupten, dass mässiger Alkoholkonsum eine günstige Auswirkung auf Herz und Blutgefässe hat und die Gefahr auf Diabetes verringert.”

Bier soll auch gegen Demenz schützen?
Caroline Walker: “Die ersten Studien weisen tatsächlich in diese Richtung, aber es ist noch viel zu früh, um sich zu freuen. Wir brauchen noch weitere Untersuchungen, um diese Auswirkung zu bestätigen. Ausserdem ist bis heute nicht bekannt, wie Demenz genau in Gang gesetzt wird. Ärzte wissen schon, welche Verletzung im Hirn zu Demenz führen kann, aber warum diese Verletzungen dort auftauchen, ist heutzutage noch ein Rätsel. Wenn man nicht genau weiss, warum eine Krankheit entsteht, ist es noch schwieriger, herauszufinden, welche Faktoren diesen Prozess beeinflüssen.”

Macht Bier dick?
Caroline Walker: “Wenn man zu viel davon trinkt, macht Bier natürlich dick. Wir können doch nicht um das Phänomen des Bierbauches herum! Auch wenn hier noch andere Faktoren, zum Beispiel Essensgewohnheiten, eine Rolle spielen. Andererseits kann man sagen, dass Bier nicht dick macht, solange man es in mässigen Mengen konsumiert!”

Ihre Schlussfolgerung.
Caroline Walker: “Unsere Gesundheit wird an erster Stelle von unseren Lebensgewohnheiten beeinflusst, d.h. unsere Essensgewohnheiten, Körperbewegung und Körpergewicht sind wichtige, wenn nicht ausschlaggebende Faktoren. Ob man daneben mässig Bier trinkt oder auch nicht, tut wenig zur Sache! Mit Bier gleicht man keine ungesunden Essensgewohnheiten, z.B. fettreiche Mahlzeiten, aus. Wenn man den Alkohol in mässigen Mengen konsumiert, braucht man sich keine Sorgen um seine Trinkgewohnheiten zu machen. Geniessen Sie es also!”


Marleen Finoulst, EBC Dublin, 21. Mai 2003

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