Alcohol. Gebruik het met verstand
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INTERVIEWS

05/06/2003
Bob Vansant (Psychotherapeut): “Alkohol kann bei einer Depression nützlich sein”

Millionen von depressiven Leuten greifen zum Alkohol, um ihre Depression oder deren Folgen zu bekämpfen. Wir können uns fragen, ob nicht viele Leute, die zuviel Alkohol konsumieren, im Grunde depressiv sind. Bis zu einem bestimmten Niveau soll Alkohol auch bei depressiven Gefühlen behilflich sein können. Diese Meinung vertritt jedenfalls Bob Vansant, Psychotherapeut und Autor des Buches “Hoe kan ik het helpen? Omgaan met de depressie van anderen.” („Was kann ich daran tun? Umgehen mit der Depression anderer“)

Welche Rolle spielt Alkohol bei einer Depression?
Bob Vansant: “Einerseits ist Alkohol für depressive Personen oft ein leicht zugängliches Mittel, um gegen den Schmerz der Depression anzugehen, aber andererseits kann gerade dieses Mittel die Depression noch verstärken. Also gleichzeitig Antidepressivum und Depressivum! Alkohol hängt mit Psychologie zusammen. Depression hängt mit Unsicherheit, Einsamkeit, Ängsten, Zweifel und Abhängigkeit zusammen. Der Bezug zwischen beiden ist dann schnell gelegt. Genauso wie häufige flüchtige sexuelle Kontakte nicht zu einem dauerhaften Selbstwertgefühl führen, wird häufiger und andauernder übermässiger Alkoholkonsum nicht dauerhaft für Glück, Frieden und Freude sorgen können.“

Wie kann Alkohol dann als Antidepressivum benutzt werden?
Bob Vansant: “Der Alkohol wird der depressiven Person vorübergehend helfen können, den inneren Stress und die unterschwelligen Probleme zu relativieren und sich ein wenig zu betäuben. Am nächsten Tag tauchen die wichtigen Lebensfragen jedoch erneut auf, und Mann/Frau muss erneut übermässig viel Alkohol trinken, um sie relativieren zu können. So gelangt man in einen Teufelskreis und sitzt auf der falschen Spur. Es ist allgemein bekannt, dass Alkohol unser Reaktionsmuster verzögert. Ich denke, dass viele Leute gerade deshalb weniger trinken, weil sie langsamer werden wollen. Alkohol wird dann in dieser stressvollen Zeit als Beruhigungsmittel verwendet.”

Einige Leute werden unter Einfluss von Alkohol eher aggressiv.
Bob Vansant: “Eine Depression hat oft mit unterdrückten Gefühlen zu tun, wie zum Beispiel Wut oder Aggression. Alkohol hat eine enthemmende Wirkung auf diese hinuntergeschluckte Wut. Manche Leute werden, wenn sie Alkohol getrunken haben, in der Tat aggressiv, andere eben nicht. Sie fangen zu heulen an und erzählen über ihren Kummer. Alkohol an sich löst keine Wut, Aggression oder Kummer aus, es sorgt dafür, dass wir unsere Gefühle leichter zeigen. In diesem Sinne ist Alkohol ein besseres Antidepressivum als viele andere unterdrückende Arzneimitteln. Viel depressive Leute können ihren Kummer nach einigen Gläsern Bier viel besser äussern, während sie unter normalen Umständen nicht dazu imstande sind. Bei der Betreung von depressiven Leuten könnte Alkohol also ein gutes therapeutisches Instrument sein, unter der Bedingung, dass der Alkoholkonsum gut dosiert und die depressive Person gut betreut wird.”

Für Personen mit einer Depression ist es anscheinend schwieriger, vernünftig mit Alkohol umzugehen.
Bob Vansant: “Personen mit einer Depression haben in der Tat die Neigung, Alkohol auf unkontrollierte Art und Weise zu benutzen. Dennoch ist es kein Zufall, dass zig Millionen Personen, die an einer Depression leiden, und zig Millionen andere Personen typisch und spontan nach diesem Mittel greifen. Künstler, Dichter, Autoren, Musiker benutzen Alkohol schon jahrhundertelang als Mittel der Inspiration, um ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Für Personen, die an einer Depression leiden, wäre es vielleicht besser, wenn sie den Alkohol nicht trinken müssten, sondern wenn ihn der Arzt in kontrollierten Mengen intravenös (direkt in die Blutbahn) verabreichen würde. Das ist vielleicht das Arzneimittel schlechthin, um angestauten Kummer und Aggression zu äussern.”

Welche Rolle kann das Umfeld der depressiven Person spielen?
Bob Vansant: “Viele depressive Personen trinken alleine, im Stillen und in Einsamkeit. Sie würden besser mehr in die Kneipe gehen. Die Kneipen müssen neu bewertet werden. Eine Begegnung bei einem Glas Bier ist sehr förderlich für unser emotionales und soziales Wohl. Man soll sich deshalb fragen, warum eine depressive Person so viel Alkohol konsumiert. Befehlen, verbieten oder kontrollieren hat eine entgegengesetzte Auswirkung. Jedes Trinkverhalten ist anders, weil jedes Individuum, jeder Hintergrund und jede Geschichte anders sind. Versuchen Sie nicht, die betroffene Person dazu zu bekehren, den Alkohol zu unterlassen, versuchen Sie, ihr eher mit dem zugrunde liegenden Problem zu helfen. Wir müssen nicht die Symptome in Angriff nehmen, sondern die Ursache.”

Marleen Finoulst

Hoe kan ik helpen?
Omgaan met de depressie van anderen.
(Was kann ich daran tun? Umgehen mit der Depression anderer.)
Bob Vansant
Standaard Uitgeverij (www.standaarduitgeverij.be)

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